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Archive for 3. November 2011

Das Egoistische Gen des Evolutionsbiologen Richard Dawkins ist schon so etwas wie ein Klassiker. Das Buch erschien schon im Jahre 1976, hat aber trotzdem nichts von seiner Aktualität verloren. Die Jubiläumsausgabe aus dem Jahre 2006 ist daher gegenüber der Erstauflage inhaltlich unverändert.

Das Egoistische Gen (Richard Dawkins, Jubiläumsausgabe 2006, Spektrum Akademischer Verlag). Quelle: http://www.amazon.de/

Die im Buch vertretene Kernthese von Richard Dawkins gibt eine Antwort auf die Frage, wo bei der Evolution die Selektion ansetzt.  Dawkins macht sehr plausibel, daß die Selektion auf die einzelnen Gene als Träger der biologischen Information und nicht – wie zumeist angenommen – auf die einzelnen  Lebewesen wirkt. Die Gene, die am effektivesten für Kopien ihrer selbst sorgen, breiten sich auf Kosten der dabei nicht so effektiven Gene aus Allerdings konkurrieren die einzelnen Gene nicht nur, sondern oft kooperieren sie auch in sogennanten Genkomplexen, um sich gemeinsam besser zu vermehren. Genkomplexe kodieren für Teile oder auch für ganze Lebewesen, die dann als Überlebensmaschinen der Gene dienen. Daraus ergibt sich die prinzipielle Möglichkeit eines „Interessengegensatzes“ zwischen den Genen und den aus ihnen hervorgehenden Lebewesen. Was der Vermehrung seiner Gene dient, kann durchaus das Überleben des Lebewesens selbst gefährden. Wichtig ist nur, daß zuvor noch möglichst viele Nachkommen als Träger der Gene gezeugt werden konnten. Manchmal agieren Gene (oder Genkomplexe) aber auch außerhalb von Lebewesen auf eigene Faust. Als Viren ohne eigenen Stoffwechsel nehmen sie dann die Stoffwechselmaschinerie von Lebewesen in Beschlag und benutzen diese zu ihrer eigenen Vermehrung.

Jens Christian Heuer

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Ein Auslösemechanismus ist ein mit ein oder mehreren Sinnesorganen verbundener neuraler Schaltkreis mit Filter- und Erkennungsfunktion, der nur auf ganz bestimmte Aussenreize anspricht und bei Vorliegen einer ausreichenden Motivation eine genau definierte, angeborene Verhaltensreaktion auslöst. Der Auslösemechanismus selbst ist in den meisten Fällen ebenfalls genetisch vorprogrammiert (Angeborener Auslösemechanismus AAM), kann aber durch Erfahrungen (Prägung, s.u.) ergänzt (EAAM), oder auch insgesamt erlernt werden (Erworbener Auslösemechanismus EAM). Auch die ausgelöste Verhaltensreaktion kann  durch Lernen modifiziert werden.

Eirollbewegung der Graugans: Ein aus dem Nest herausgefallenes Ei (Auslöser) wird mit der Unterseite des Schnabels wieder zurückgeholt. Quelle: http://www.zum.de/

Prägung ist ein Lernvorgang, der sich durch einige Besonderheiten vom normalen Lernen unterscheidet:

1. Gelernt wird nur in bestimmten Lebensabschnitten, meist in der Kindheit,während der sogenannten sensiblen Phase.

2. Bei normalem Lernen ist das zuletzt Gelernte stärker in Erinnerung als das zuerst Gelernte,bei der Prägung ist es genau umgekehrt. Das Prägungslernen lässt sich zudem schwer oder gar nicht rückgängig machen.

3. Das Prägungslernen findet schon statt, lange bevor die betreffenden Verhaltensweisen,bei denen dieser Lernvorgang benötigt wird, voll ausgereift sind. Dies gilt beispielsweise für die sexuelle Prägung, bei der das Erscheinungsbild der späteren potentiellen Sexualpartner (sexuelles Objekt) schon zu einem Zeitpunkt erlernt wird, wo eine sexuelle Aktivität im eigentlichen Sinne noch gar nicht möglich ist.

Die sexuelle Objektprägung erfolgt meistens auf den gegengeschlechtlichen Elternteil und könnte die biologische Grundlage für den von der Psychoanalyse entdeckten Ödipuskomplex sein.

Sexuelle Fehlprägung: Von Mövchen (schwarz) aufgezogene männliche Zebrafinken ziehen als erwachsene Tiere ein Mövchenweibchen einer arteigenen Partnerin vor. Quelle: http://www.uni-bielefeld.de/  (verändert)

Das Appetenzverhaltens dient dem aktiven Aufsuchen von angeborenen oder erlernten Auslösemechanismen und setzt eine ausreichende Handlungsbereitschaft (Trieb) voraus. Je länger ein bestimmter Auslösemechanismus nicht mehr ausgelöst wurde, umso stärker der Trieb und umso ausgeprägter auch das Appetenzverhalten.

Jens Christian Heuer 

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