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Archive for the ‘Evolution’ Category

Die Theorie der Meme wurde erstmals von dem Verhaltensforscher und Evolutionsbiologen Richard Dawkins  im Schlußkapitel seines im Jahre 1976 erschienenen Buches „Das egoistische Gen“ (siehe auch  den Beitrag „Leseempfehlung – Richard Dawkins: Das egoistische Gen“) entwickelt. Gedanken und Ideen verhalten sich danach als Replikatoren, ähnlich wie Gene, die Einheiten der biologischen Information. In Analogie dazu nennt Dawkins sie Meme. 

Replikatoren können in unterschiedlichster Gestalt auftreten.sind. Es handelt sich bei ihnen um kodierte Information, die sich identisch verfielfältigen kann.

Richard Dawkins  Quelle: realnews24

Diese Reproduktion funktioniert sehr zuverlässig, doch ab und zu schleicht sich ein Fehler ein Bei den Genen nennt man das eine Mutation. Die Kopien sind in so einem Fall also ungenau und unterscheiden sich von der richtigen Vorlage in ihrer Fähigkeit zur Reproduktion. Bei den Genen läuft das über Abweichungen in der Struktur der kodierten Proteine, welche die Anfertigung von Kopien des jeweiligen Gens mal besser, mal schlechter unterstützen. Gene, die sich effektiv reproduzieren, werden allmählich vorherrschend gegenüber anderen Genen, die das nicht so gut können. Oft sterben die unterlegenen Gene sogar aus. Dieser Mechanismus der Selektion führt zu einer Evolution!

Ähnlich bei den Memen:  Manche Ideen und Gedanken passen einfach besser in das gesellschaftliche Umfeld als andere. So unterscheiden sich zum Beispiel Musikstücke darin, wie gut sie bei den Hörern „ankommen“ und politische Ideen darin, wie erwünscht oder unerwünscht sie  für den jeweiligen Staat erscheinen. Wie Gene bilden auch Meme oft größere Einheiten, die als Memkomplexe gemeinsam besser kopiert werden als jedes einzelne Mem für sich allein. Ein Beispiel für derartige Memkomplexe sind die Religionen, denn die beinhalten stets ein ganzes Bündel von Gedanken, Phantasien und Ritualen, welche sich gegenseitig bestärken und so das Überleben der jeweiligen Religion befördern.

Gott oder Götter spiegeln reale, in der Kindheit erlebte Personen wider. Sind es Eltern und Erzieher dann entspricht das jeweilige Gottesbild ganz konkret den jeweils gemachten, sich im Laufe der Zeiten auch wandelnden Kindheitserfahrungen. Der Gott der großen monotheistischen Religionen beispielsweise, die Gläubigen nennen ihn bezeichnenderweise “Vater“, erscheint in den heiligen Schriften häufig als ein eher unnahbarer, leicht erzürnbarer Gott, der stets bedingungslosen Gehorsam verlangt und jedes Aufbegehren, jede Regung der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit  hart bestraft. Manchmal zeigen Gott oder Götter aber auch durchaus nette Seiten. Sie verzeihen großzügig kleine und auch größere „Sünden“, spenden Trost, sind Beschützer in der Not und ermuntern zu mitmenschlichem, anständigem Verhalten. Das kann an eher freundlichen Eltern und Erziehern liegen, das kann aber auch das Wideraufleben von Fantasiefreunden aus der Kindheit sein. Fantasiefreunde haben die meisten Kinder irgendwann einmal. Sie helfen dem Kind, indem sie ihm Mut machen, es beschützen, trösten, bei (wichtigen) Entscheidungen beraten oder einfach nur mit ihm reden. Genau das sind aber auch die Charakteristika eines freundlichen Gottes. 

Replikator-Varianten die effektiver kopiert werden, setzen sich bei der Vermehrung gegenüber anderen, wo das nicht so gut funktioniert, nach und nach durch. Diese Selektion der Varianten führt zu einer Evolution des Replikators, ganz egal ob Gene oder Mem!

Meme funktionieren übrigens auch bei Tieren: Ein berühmtes, gut dokumentiertes Beispiel dafür ereignete sich in den 1940er und 1950er Jahren in England:

Dort wird traditionell die Milch in Flaschen frühmorgens an die Haustier geliefert und abgestellt schon bevor der Kunde aufsteht. Zum Frühstück hat er so stets frische Milch. Doch es gab auch noch andere, die sich für die Milch interessierten, die Blaumeisen.

Eine Blaumeise öffnet den Stanniolverschluss einer Milchflasche Quelle: Klaus Immelmann (1999)

Eine besonders Gewitzte unter ihnen kam eines Tages auf den Kniff, wie man den Stanniolverschluß der Milchflaschen öffnen kann und gelangte so an den für sie äußerst schmackhaften Milchrahm. 

Zur allgemeinen Überraschung beherrschten nach und nach immer mehr Blaumeisen die Technik des Öffnens der Milchflaschen. Schon nach nicht einmal 20 Jahren konnten es nahezu alle Blaumeisen in England. Offensichtlich war die Entdeckung unter den Vögeln weitergegeben worden oder man hatte es sich einfach voneinander abgeschaut.

Wie auch immer, die Blaumeisen in England haben damals eine regelrechte kulturelle Tradition begründet! Das Mem für die Technik den Stanniolverschluß einer Milchflasche zu öffnen kam offensichtlich bei den Blaumeisen sehr gut an und konnte sich daher schnell und flächendeckend ausbreiten. 

Jens Christian Heuer

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Das Egoistische Gen des Evolutionsbiologen Richard Dawkins ist schon so etwas wie ein Klassiker. Das Buch erschien schon im Jahre 1976, hat aber trotzdem nichts von seiner Aktualität verloren. Die Jubiläumsausgabe aus dem Jahre 2006 ist daher gegenüber der Erstauflage inhaltlich unverändert.

Das Egoistische Gen (Richard Dawkins, Jubiläumsausgabe 2006, Spektrum Akademischer Verlag). Quelle: http://www.amazon.de/

Die im Buch vertretene Kernthese von Richard Dawkins gibt eine Antwort auf die Frage, wo bei der Evolution die Selektion ansetzt.  Dawkins macht sehr plausibel, daß die Selektion auf die einzelnen Gene als Träger der biologischen Information und nicht – wie zumeist angenommen – auf die einzelnen  Lebewesen wirkt. Die Gene, die am effektivesten für Kopien ihrer selbst sorgen, breiten sich auf Kosten der dabei nicht so effektiven Gene aus Allerdings konkurrieren die einzelnen Gene nicht nur, sondern oft kooperieren sie auch in sogennanten Genkomplexen, um sich gemeinsam besser zu vermehren. Genkomplexe kodieren für Teile oder auch für ganze Lebewesen, die dann als Überlebensmaschinen der Gene dienen. Daraus ergibt sich die prinzipielle Möglichkeit eines „Interessengegensatzes“ zwischen den Genen und den aus ihnen hervorgehenden Lebewesen. Was der Vermehrung seiner Gene dient, kann durchaus das Überleben des Lebewesens selbst gefährden. Wichtig ist nur, daß zuvor noch möglichst viele Nachkommen als Träger der Gene gezeugt werden konnten. Manchmal agieren Gene (oder Genkomplexe) aber auch außerhalb von Lebewesen auf eigene Faust. Als Viren ohne eigenen Stoffwechsel nehmen sie dann die Stoffwechselmaschinerie von Lebewesen in Beschlag und benutzen diese zu ihrer eigenen Vermehrung.

Jens Christian Heuer

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