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Ein Wissenschaftlerteam von der britischen Universität Exeter und der deutschen Universität Hamburg hat bei Zebrafinken untersucht inwieweit Persönlichkeitsmerkmale genetisch vererbt oder von den Eltern erlernt werden (Environmental transmission of a personality trait: foster parent exploration behaviour predicts offspring exploration behaviour in zebra finches, biology letters, Mai 2013).

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Zebrafinken Quelle: Wikimedia (Liza Gross)

In der Untersuchung ging es konkret um das Neugierverhalten in fremder Umgebung, ein durch Beobachtung bestimmbares Charaktermerkmal. Die Vögel wurden in zwei Gruppen unterteilt: Die eher neugierigen Vögel schauen sich in einer neuen unbekannten Umgebung alles an, die eher ängstlichen Vögel wagen es dagegen kaum sich umzusehen. 
Beide Gruppen liess man brüten. Der Nachwuchs lebte entweder bei den eigenen biologischen Eltern oder wurde von Elterntieren der jeweils anderen Gruppe adoptiert (Überkreuz- Adoptions-Experiment). Anschließend wurden die Übereinstimmungen im Neugierverhalten verglichen. Dabei zeigte sich beim Nachwuchs überraschenderweise eine deutlich größere Ähnlichkeit im Verhalten mit den Adoptiveltern als mit den biologischen Eltern. Das Persönlichkeitsmerkmal Neugierverhalten wird bei Zebrafinken also nicht genetisch vererbt sondern über die Erfahrungen mit den Eltern erlernt.

Zur Kontrolle der Untersuchungsmethode wurde bei den Zebrafinken auch noch das körperliche Merkmal Größe überprüft. Hier gab es eine hohe Übereinstimmung mit den biologischen Eltern. Die Erblichkeit war also wie erwartet sehr hoch.

Diese Untersuchung hat auch eine erhebliche Bedeutung für die Einschätzung der Persönlichkeitsentwicklung beim Menschen!

Jens Christian Heuer

Rabenvögel sind für ihre außerordentliche Intelligenz bekannt. Sie gebrauchen Werkzeuge und können in die Zukunft planen. Ein aktuelles, wirklich spektakuläres Beispiel kommt aus Rußland. In einem von dem internationalen russischen Fernsehsender Russia Today ausgestrahlten Amateurvideo sieht man eine Krähe, die mit einem vorher irgendwo aufgesammelten Gummi – oder Plastikring als Schlitten, die Schräge eines schneebedecktes Hausdach herunterrodelt!

Ein Spiel, das ihr offensichtlich Vergnügen bereitet.

So einfallsreich sind neben dem Menschen sonst nur noch die großen Menschenaffen und einige Meeressäuger, wie Wale und Delfine.

Jens Christian Heuer

Papierwespen sind sozial lebende, staatenbildende Insekten. Die Angehörigen eines solchen Insektenstaates sind normalerweise alle Kinder eines einzigen weiblichen Tieres, der Königin und erkennen sich gegenseitig am Geruch. Papierwespen bauen ihre Nester aus einer Art Papier, das sie aus zerkautem, mit Speichel vermischten Holz gewinnen. Daher ihr Name. Staatenbildung kommt außer bei Wespen auch noch bei den Ameisen, einigen Bienenarten und den Termiten vor.
 
Die nordamerikanische Papierwespe (Polistes fuscatus) Quelle: Michael Sheehan, University of Michigan
 
Nach Untersuchungen der zwei Biologen Elizabeth Tibbetts und Michael Sheehan von der University of Michigan in den USA zeigen die sozial lebenden nordamerikanischen Papierwespen (Polistes fuscatus) eine außergewöhnliche Besonderheit: Sie verfügen wie der Mensch auch, über ein System der individuellen Gesichtserkennung. Die Fähigkeit sich untereinander individuell an den Gesichtern zu erkennen geht über die bloße Fähigkeit, verschiedene Gegenstände oder Muster zu unterscheiden weit hinaus und ist bisher einzigartig unter allen Insekten! Die Qualität der Gesichterkennung wurde in einem T-Labyrinth getestet. Am Ende der beiden Arme des T präsentierten die Wissenschaftler den Wespen unterschiedliche Bilder. Gezeigt wurden entweder zwei reale Gesichter unterschiedlicher erwachsener Wespen, zwei Gesichter unterschiedlicher Raupen (Raupen stehen auf dem Speiseplan der Papierwespe) oder einfach zwei unterschiedliche geometrische Muster. Die Wespen wurden mit Hilfe einer Belohnung auf die korrekte Unterscheidung der Bilder trainiert. Am leichtesten lernten die Papierwespen es,  die  dargebotenen Wespengesichter zu unterscheiden. Dieser Befund spricht dafür, daß die Fähigkeiten zur Erkennung von Gesichtern und von Mustern bei den Wespen in unterschiedlichen Gehirnregionen sitzen, so wie beim Menschen auch! 
 
Wie bei allen Papierwespen wird das Nest aus aus mit Speichel vermischtem, zerkauten Holz gebaut, woraus eine Art Papier entsteht. Quelle:  Michael Sheehan, University of Michigan
 
Die Wissenschaftler studierten aber auch das natürliche Verhalten der nordamerikanischen Papierwespen, die im Gegensatz zu anderen sozial lebenden Insekten in Staaten mit mehreren Königinnen leben. Dabei stellten sie u.a. fest: Wespen, die einander kennen, gehen friedlich miteinander um, auch dann wenn sie von verschiedenen Königinnen abstammen! Es gibt soziale Hierarchien, die das Zusammenleben im Staat zusätzlich stabilisieren.  Einzelne Wespen erinnern sich langfristig (nachgewiesen bisher für mindestens 1 Woche) an vergangene persönliche Begegnungen und richten ihr zukünftiges Verhalten gegenüber diesen Individuen entsprechend den jeweils gemachten Erfahrungen aus.
Die Gesichter verschiedener nordamerikanischer Papierwespen lassen sich auch für Menschen gut unterscheiden. Quelle: Michael Sheehan, University of Michigan 
 
Vor allem der Umstand , daß es bei der nordamerikanischen Papierwespe in einem Staat mehrere Königinnen gibt, begünstigte wahrscheinlich die Herausbildung der so außergewöhnlichen Fähigkeit zur Gesichtererkennung, welche anderen staatenbildenden Wespen mit nur einer Königin – die sehr wohl in der Lage sind geometrische Muster zu unterscheiden – nach allen bisherigen Untersuchungen zu fehlen scheint.
 
Jens Christian Heuer
 

 

 Dinner for One

Im Jahre 1976 veröffentlichte der US-amerikanische Psychologieprofessor Julian Jaynes (1920-1997) ein Buch mit einem kompliziert klingenden Titel (The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind, deutsch: Der Ursprung des Bewußtseins durch den Zusammenbruch  der Bikameralen  Psyche) und einer faszinierenden Theorie über die Ursprünge des menschlichen Bewußtseins. Danach ist das Bewußtsein, so wie wir es kennen, noch eine relativ neue, kulturelle  Errungenschaft des Menschen und nicht das Ergebnis einer allmählichen Höherentwicklung des Gehirns seiner Vorfahren im Rahmen der Darwinschen Evolution, wie allgemein angenommen! Bewußtsein gibt es nach Jaynes nur durch die Sprache. Diese besteht wiederum vor allem aus Metaphern, also bildhaften Ausdrücken. Unbekanntes wird mit einer Metapher entsprechend seiner Ähnlichkeit mit schon Bekanntem benannt. Die Begriffsbildung erfasst immer Gegenstände der Umgebung, schreitet dabei aber auch vom konkreten Gegenstand zum abstrakten Gegenstand fort. Das Bewußtsen beginnt in dem Moment wo die Metaphern einen inneren geistigen Erlebnisraum bilden, ein Modell der äußeren Umwelt und der eigenen Person. In diesem Erlebnisraum kann man sich frei bewegen, in die Vergangenheit (bewußte Erinnerung) und in die Zukunft (Durchspielen möglicher Handlungsalternativen, planerisches Denken).

Quelle: Julian Jaynes Society (verändert)

Noch vor 3 bis 4000 Jahren konnten die Menschen zwar genauso fühlen, lernen und denken wie heute, aber  alles geschah unbewußt. Die Menschen hatten kein Selbstbewußtsein, so wie wir es heute kennen! Das erscheint erst einmal unvorstellbar und doch sprechen viele historische Befunde dafür.

In alten Texten aus dieser Zeit, zum Beispiel der Illias, der Dichtung über den Trojanischen Krieg, findet man keine Menschen, die eigene  Empfindungen ausdrücken, selbstständig Ideen entwickeln, ihre eigenen  Entscheidungen fällen und vorher bewußt darüber nachdenken. Kurz gesagt, es fehlt sehr viel von dem, was gemeinhin die Persönlichkeit eines Menschen von heute ausmacht. Stattdessen wirken die Menschen seltsam fremdbestimmt. Was immer sie zu tun und zu lassen haben, das sagen ihnen die Götter, im täglichen Leben, vor allem aber dann, wenn etwas Unerwartetes passiert, wenn es untereinander Konflikte gibt und irgendwelche persönlichen Entscheidungen anstehen. In solchen Situationen, die immer mit einem gewissen Streß verbunden sind, sprechen die Götter zu den Menschen und manchmal erscheinen sie auch vor ihren Augen. Und was die Götter sagen, das wird ohne zu zögern befolgt. Zweifel oder gar Ungehorsam, das ist praktisch undenkbar.

In der Illias erscheint den handelnden Personen (fast) immer einer der Götter, wenn es eine brenzlige Situation gibt. Ein Beispiel: Während der Belagerung Trojas unternehmen die Griechen immer wieder ausgedehnte Beutezüge in das Hinterland der Stadt. Dabei erbeutet Agamemnon, der Heerführer der   Griechen Chryseis, die Tochter  eines Priesters des Gottes Apollon. Der erzürnte Gott fordert sie von Agamemnon zurück. Dieser will  Ersatz und holt sich einfach  Briseis, die Liebligssklavin des Fürsten Achilles aus dessen Zelt.  Dieser will das nicht hinnehmen, erzürnt heftig und macht Anstalten Agamemnon zu töten. In diesem Moment erscheint ihm die Göttin Athene – nur Achilles kann sie sehen und hören –  und hält ihn davon ab. Abbildung: Reclam-Ausgabe der Illias von Homer, Übersetzung Roland Hampe (1979), Seiten 8 und 9.

Die Menschen hatten eine Bikamerale Psyche, wie Jaynes das nennt. Ihr Geist war zweigeteilt. Die Götter hatten ihren Sitz in der rechten Hirnhälfte genau gegenüber der Wernicke-Region, die zu den Sprachzentren in der linken Gehirnhälfte gehört. Ihre Botschaften und Befehle schickten sie in Form von akustischen (Stimmen), manchmal auch visuellen (Erscheinungen)Halluzinationen über eine der Komissurenbahnen (Comissura anterior zwischen den Temporallappen), welche die beiden Hirnhälften verbinden. Diese Halluzinationen waren für die bikameralem Menschen vollkommen real, denn sie konnten nicht zwischen äußeren und inneren Wahrnehmungen unterscheiden. Auf beide reagierten sie gleichermaßen.

Bikamerale Menschen hatten keinen eigenen Willen in unserem Sinne. Ihr Tun wurde stattdessen durch halluzinierte Götter gelenkt, die ihren Ursprung in der rechten Gehirnhälfte hatten. Quelle: Modelle des Menschen, Beltz-Verlag (1981)

Die Götter entstanden aus einer Verschmelzung von Erinnerungen an Eltern, Erzieher und ranghöhere Personen, egal ob diese noch lebten oder bereits verstorben waren. In allen wichtigen und kritischen Situationen, bei Gefahren, bei Konflikten untereinander, aber auch wenn es um Planungs- und Organisationsfragen ging, also immer wenn es um Entscheidungen ging, dann meldeten sich die Götter aus der rechten Gehirnhälfte und halfen weiter.

Die direkte Vorstufe aller Religionen und ihrer Götter war der Ahnenkult. Die Verehrung galt den Geistern verstorbener Mitglieder der Familie (Eltern, Großeltern) und wichtigen, höhergestellten Persönlichkeiten des Stammes (Häuptlinge und Medizinmänner) und als später die (Stadt)staaten aufkamen, den Königen und Priestern. Die Geister der verstorbenen Ahnen wurden dann im Laufe der Zeit zu Göttern.  Als Unterstützung der Erinnerung und als Auslöser von Halluzinationen dienten Bildnisse und Statuen.

Die Bikamerale Psyche kam durch eine Veränderung in der Gehirnorganisation des Menschen zustande und war eine Antwort auf die Probleme infolge des Zusammenschlusses familiärer Kleingruppen zu größeren Gruppen. Zunächst waren das  Stämme, später dann Städte und Staaten, welche so groß waren, daß sich die Individuen bei weitem nicht mehr alle persönlich kannten. Deshalb reichten die Einflußmöglichkeiten der Anführer über den rein persönlichen Kontakt nicht mehr aus. Die Führung und Koordination der Gruppe und die Beilegung von Streitigkeiten untereinander übernahmen von nun an die Götter in der rechten Gehirnhälfte eines jeden Menschen.

Codex Hammurabi: Der assyrische König Hammurabi (links) empfängt die Gesetze von einem Gott.  Der um 1700 v.Chr. vefasste Codex ist eine der ältesten Gesetzeswerke der Menschheitsgeschichte. Die Menschen haben zu dieser Zeit eine bikamerale Psyche. Sie halluzinieren Götter, die alle Entscheidungen für sie treffen und so das gesamte gesellschaftliche Leben lenken. Die Götter sprechen zu dem Menschen (akustische Halluzinationen) und gelegentlich zeigen sie sich ihnen auch (visuelle Halluzinationen).  Quelle: Wikipedia.

Das menschliche Bewußtsein im modernen Sinne entstand erst vor rund 3000 Jahren  als Folge großer Völkerwanderungen. Dabei trafen Menschen aus unterschiedlichen bikameralen Gesellschaften aufeinander, jeder mit seinen eigenen Göttern. Auslöser für die Völkerwanderungen war vor allem der verheerende Vulkanausbruch auf der Insel Santorin im Mittelmeer um 1400 v. Chr, der die ganze Insel sprengte und einen gewaltigen Tsunami auslöste. Santorin war neben Kreta eines der beiden Zentren der das östliche Mittelmeer beherrschenden, hochentwickelten Minoischen Kultur, deren Schicksal damit besiegelt war. Die Auswirkungen der Katastrophe gingen aber weit darüber hinaus. Die Vulkanasche verdunkelte überall den Himmel. Es wurde über Jahre deutlich kälter, es gab Mißernten und Hungersnöte. Der Tsunami zerstörte weite Küstenabschnitte des Mittelmeeres. Die überlebenden Menschen verliessen ihre zerstörten Städte auf der verzweifelten Suche nach einer neuen Heimat. Die Götter waren mit diesem  allgemeinen Chaos, in dem Menschen unterschiedlicher bikameraler Gesellschaften (mit jeweils verschiedenen Göttern!) durcheinandergewürfelt wurden  völlig überfordert. Den Göttern verschlug es die Sprache! Die Bikamerale Psyche brach zusammen und machte dem Bewußtsein  Platz! Die lange nach der Illias verfasste Odyssee handelt von diesen neuen bewußten Menschen, vor allem in der Person des listenreichen, pläneschmiedenen, alle seine Entscheidungen selbst fällenden Odysseus.   

500 Jahre später: Der assyrische König Tukulti-Ninurta nähert sich dem göttlichen Thron. Doch der ist leer. Die Götter schweigen. Die bikamerale Psyche des Menschen ist zusammengebrochen.  Das Bewußtsein ist erwacht. Quelle: http://www.historywiz.com/

Überall gibt es kulturelle Zeugnisse dieses Übergangs, zum Beispiel bei den Assyrern. Der berühmte König  Hammurabi (um 1700 v.Chr.) war noch bikameral. Seine berühmten Gesetzestafeln, der Codex Hammurabi nahm er  direkt von einem Gott entgegen. Sie waren nicht sein Werk. 500 Jahre später war der assyrische König Tukulti-Ninurta ganz allein auf sich gestellt. Der Thron des Gottes war leer als er sich ihm näherte. Er mußte sich auf seine neuerworbene Fähigkeit des bewußten Denkens verlassen.

Der Schritt vom bikameralen zum bewußten Geist und persönlicher Freiheit war groß. Den plötzlich ihrer Selbst bewußten Menschen fehlte die so vertraute Gegenwart der Götter, die ihnen immer gesagt hatten, was zu tun war. Viele Menschen fühlten sich oft hilflos und verlassen und versuchten zu verstehen, warum es so gekommen war. Hatten sie  ihre Götter irgendwie verärgert, ihnen nicht immer gehorcht? Gedanken wie sie auch Kinder haben, die von ihren Eltern verlassen wurden oder das zumindest fürchten müssen. Verzweifelt versuchte man die Götter mit Gebeten, Opfergaben und Unterwerfung gegenüber günstig zu stimmen. Darum drehen sich (fast) alle Religionen bis heute und das ist auch der Grund dafür, warum sie  eine oft geradezu verhängnisvolle Gehorsamsbereitschaft befördern. Durch spezielle Techniken der inneren Versenkung, welche die bewußte Wahrnehmung abschwächen, manchmal auch direkt durch berauschende Drogen versuchten die Menschen die Götter wieder zum Sprechen zu bewegen.  Mit einiger Übung gelang das auch manchmal. Auch in Träumen erschienen die Götter. Einige Auserwählte hatten auch noch ab und zu spontane Halluzinationen. Sie berichteten den anderen Menschen von ihren Begegnungen mit den Göttern und dem was diese den Menschen zu sagen hatten und galten fortan als Propheten. Ihre schriftlichen Zeugnisse  findet man in den Heiligen Büchern der Religionen.

Mohammed, der berühmteste aller Propheten, empfing durch den Engel Gabriel Offenbarungen direkt vom Gott Allah und begründete später mit dem Islam die jüngste der großen Weltreligionen. (Abbildung aus einer persischen Chronik von 1307). Erlebte Mohammed eine episodische Wiederkehr der Bikameralen Psyche!? Quelle: Wikipedia

Auch jenseits der klassischen Religionen gibt es ein Wiederaufleben der untergegangenen Bikamerale Psyche, zum Beispiel bei Kindern. Diese haben häufig sogenannte Fantasiefreunde. Diese existieren nur in der Gedankenwelt des Kindes, erscheinen ihm aber sehr real. Das können Kinder wie sie sein, Tiere, Geister oder irgendwelche anderen Figuren. Fantasiefreunde begleiten das Kind oft über Jahre und helfen ihm, indem sie Mut machen,  Trost spenden, bei Entscheidungen beraten, als Beschützer auftreten oder einfach mit Reden und Spielen die Langeweile vertreiben. Sie haben damit die Eigenschaften eines freundlichen Gottes!

Neuere Befunde aus der Gehirnforschung stützen ebenfalls die Theorie von Jaynes. Dieser hatte immer wieder darauf hingewiesen, daß der Geist Schizophrener dem der bikameralen Menschen sehr stark ähnelt. Werden Schizophrene nicht mit antipsychotisch wirksamen Neuroleptika behandelt, so erleben sie in Streßsituationen Halluzinationen wie seinerzeit der bikamerale Mensch. Bei akustischen Halluzinationen konnte nachgewiesen werden, daß zunächst der rechte Temporallappen (der Sitz der Götter im bikameralen Geist!) aktiviert wird und erst danach der linke Temporallappen (Activation of bilateral auditory cortex during verbal hallucinations in a child with schizophrenia, R. Jardri, D. Pins, C. Delmaire, J-L Goeb and P.Thomas, Molecular Psychiatry 2007)!  Genau das hatte Julian Jaynes schon vor über 30 Jahren vorhergesagt.

Jens Christian Heuer

Quelle: Der Ursprung des Bewußtseins durch den Zusammenbruch der bikameralen Psyche, Julian Jaynes. Rowohlt 1988 (auch online unter dem Titel Der Ursprung des Bewußtseins); Homer Illias, RECLAM (1979)